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Einführung in das Rhader Platt von B. Nienhaus

Kösters Liesbeth (Elisabeth Nienhaus)

Plattdeutsch
Gesammelt von Bernd Nienhaus

In langen Jahrzehnten sammelte ich in platter Sprache immer wieder gehörte Sätze, Redewendungen, Redensarten und Sprichwörter.
Unterhielt ich mich mit Menschen, die unsere alte Sprache noch beherrschten, so mussten Redewendungen notiert werden, möglichst unauffällig, um den Gesprächsablauf nicht zu stören. Sehr oft war es notwendig, im Anschluss an ein Gespräch aus dem Gedächtnis die vorgekommenen Redensarten zu erfassen.
Mein Interesse drohte manches Mal nachzulassen. Eine unersetzliche Hilfe waren mir Antonia Windbrake (Jens Toni) und meine Mutter Elisabeth Nienhaus ( Kösters Liesbeth).
Aus einer alten Rhader Familie stammend verfügte sie selbst über einen großen Fundus an Sätzen und Wörtern. Sie half mir ständig in der Erfassung, sie ermunterte mich, wenn mein Interesse nachzulassen drohte. Ohne ihre Unterstützung wären diese Seiten nicht möglich gewesen. Mein Dank gilt den vielen ungenannten Gesprächspartnern vor allem in meiner Jugend in der Gaststätte Nienhaus-Koester. Ihre Kenntnisse von der alten Sprache und ihr Gebrauch des Platt gaben mir erst die Möglichkeit zur Sammlung der Wörter und Redewendungen, stellvertretend nenne ich hier nur Johann Punsmann ( Punsmanns Jans ).

Die Auswahl der Stichworte ist mehr zufällig erfolgt. Keineswegs völlig erschöpfend sind alle Redensarten zu den einzelnen Stichworten erfasst. Aus mancherlei Gründen nicht. Die Zuordnung der Redensarten zu den einzelnen Stichworten wurde nicht besonders kritisch vorgenommen. Ich bitte um Nachsicht. Die Seiten sollen zunächst einmal eine Fundgrube sein für denjenigen, der noch etwas von unserem Platt kennt und noch Freude daran hat.
Sie sollen Anregung geben, die alte Sprache nicht völlig zu vergessen. Insoweit sind die Redensarten hier nur ein Hilfsmittel, um mit der alten Sprache vertrauter zu bleiben. Deshalb hielt ich es vorab nicht für notwendig, unbedingt alle gesammelten Redensarten zu veröffentlichen.
Mit Absicht ist keine Trennung zwischen Sprichwörtern und Redensarten vorgenommen worden.Der Mensch unserer Ebene legte auf den Reim keinen besonderen Wert, ja er verspottet den Reimer. Mancher Text spricht uns auch heute noch an, gibt unsere eigene Denkweise und Erfahrung wieder. Andere Sätze sind uns heute nicht mehr verständlich. Neben der Unterhaltung, die das Lesen der Seiten geben soll, war auch beabsichtigt, das eine oder andere festzuhalten damit es nicht verloren geht. Die Seiten sind auch verfasst um einen Einblick zu geben in die Gedankenwelt unserer Vorfahren. Aufgenommen habe ich auch die platten Familiennamen sowie die Flurbezeichnungen. Hierbei war mir meine Mutter wiederum sehr hilfreich.
Im zweiten Weltkrieg war sie dienstverpflichtet bei der Reichspost, kam so in jede Familie und auf jeden Hof. Ihr immenses Gedächtnis über die Sprache und Familienzusammenhänge in Rhade kann ich nur bewundern. Auf dem Lande gab es vor gut 150 Jahren keine nennenswerte Schulbildung und Erziehung im heutigen Sinne. Erzieherisch wirksam war nur die Kirche, die jedoch das direkt Religiöse stark in den Vordergrund stellte. Die Lebenserfahrung der älteren Menschen, die Erfahrung in der Arbeit, war im wesentlichen der einzige "Unterricht", der den Heranwachsenden zuteil wurde. Ein Teil der Redensarten hatte hier seine Bedeutung. Erfahrung und Wissen waren in einer kurzen, einprägsamen Formel zusammengefasst.
Hinzu kam, dass die Sätze im wesentlichen von allen akzeptiert wurden, ohne allzu persönlich zu, zu aggressiv im Gespräch zu wirken. Dabei konnte mit einem Satz in wenigen Worten etwas gesagt werden, wozu sonst eine umständliche Erklärung erforderlich gewesen wäre. Geschriebenes Platt sollte halblaut vor sich hingelesen werden. Wer dies versucht, wird erstaunt sein, wie schnell er mit der alten
Sprache- wieder - vertraut wird.
Die Definition der Worte Platt und Mundart erfolgten nach dem großen Brockhaus 16. Auflage, ähnlich erläutert aber auch in verschiedenen Handbüchern der Ethymologie Platt - ein Kulturdokument .Unsere mitteleuropäischen Sprachen gehen zurück auf die indogermanische Ursprache. Keltische und germanische Stämme entwickelten die Sprache weiter. Es entstand die Vielfalt der Sprachen. Alle sind gewachsene, eigenständige Arten des Ausdrucks. Die Sprachen entwickelten sich jedoch nicht völlig unabhängig voneinander. Neben den gemeinsamen Grundwörtern gab es, bedingt durch Wanderungen, Kriege, Handel und Religion immer wieder Kontakte, die zu einer Ergänzung, zu einem Austausch des Wortschatzes führten. Unser Platt ist eine originale, ursprüngliche Sprache, keineswegs eine Vereinfachung oder gar Verstümmelung der heutigen hochdeutschen Sprache oder früherer Schriftsprachen. Seit Jahrhunderten wird unsere Sprache "platt" genannt. Bewußt bin ich bei diesem Ausdruck geblieben.

Mundart und Dialekt bedeuten korrekterweise die Sprache einer Landschaft, bedeuten die Besonderheiten eines räumlich abgegrenzten Sprachgebietes zu einem großen zusammenhängenden Sprachraum. Landläufig wird jedoch unter Mundart und Dialekt mehr die Abwandlung einer Hochsprache für ein bestimmtes Gebiet verstanden. Dies würde aber auf unserer platte Sprache nicht zutreffen. Deshalb vermeide ich die Ausdrücke Mundart und Dialekt. Im Wort platt sind zweierlei Bedeutungen enthalten. Geläufig ist uns die Bedeutung für etwas, das eben, flach, glatt ist. Das Wort könnte also bedeuten, daß unsere Sprache die Sprache der Ebene gewesen wäre. Die zweite Bedeutung des Wortes platt ist uns fast nicht mehr bekannt : verständlich, deutlich, geradeheraus. 

Nach dem Tode meiner Mutter Elisabeth Nienhaus war lange meine verehrte Tante Maria Tenk eine Quelle stetiger interessanter Begriffe. Als letzter noch lebender plattdeutsch sprechender Verwandten Maria Tenk



Autor: root -- 24.11.2012; 08:59:28 Uhr

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