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Sebastian Polmans
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Sebastian Polmans: Heimatkunden

Heimatkunden = Kunden aus der Heimat - Ist ein Projekt des aus Elmpt stammenden Schriftstellers Sebastian Polmans und dem Heimatfotografen Bernd Nienhaus.

Löwenzahn in Wiese

Löwenzahn und Lilien im Heinrichspark

 

Liebe Sonne im Gras, warum erzählen sie bloß Märchen über Dein Gift?

Vor meinem Haus rupfe ich Dich aus für die Hasen und meine Familie.

Meine Geschwister haben ihr Gedächtnis verloren, das von uns erzählt.

Im Elmpter Wappen verbirgt sich was, möge Dein Gelb ihnen helfen.

 

Deine Schirmchen und zwei Papageien flogen auf, als ich in die Welt kam.

Ein paar Freunde holten uns auf die Erde, wie sie uns hinausprügelten.

Auch Mörder retten Leben. Ich weiß von nichts anderem zu sprechen,

als von Vergebung. So zu sein, das heißt, ich weiß nichts von gut und böse.

 

Meine Großmutter vom Holunderweg brachte mir jene Fremdsprache bei,

der Stille und Liebe. Ich pflanzte Lilien in ihrem Garten und durfte berichten,

am Küchentisch, Träume, von einer Frau, ihren drei Kindern, die vom Kreuz

über Alexandria bis nach Südfrankreich zogen und bis nach Elmpt und überall

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Amsel-junge

 

Kinder im Elmpter Bachtal

Im Winkel der Stille landen unsere Schüsse mit Bällen aus Gebeten.

Der hauchdünne Stoff aus Wasser bedeckt später unsere Bloßfüße.

Dann stapfen wir durch die Wiese, finden Federn junger Schwalben,

zählen das Gewöll der Kauze. Ponys traben helle Muster in die Arena.

 

Einige Kinder besuchen einen großen Bruder im Land der Ferne.

Was wäre, wenn die Sterne in Wirklichkeit Häuser sind? Was wäre,

wenn der Hahn auf der Spitze des Kirchturms etwas ganz anderes

bedeutet, wenn er kräht, die Bachquelle eine Einladung ist an alle?

 

Ein Regenbogen über der Pommesbude fragt, ob wir uns an ein altes

Versprechen erinnern? Warum wir den Schatz nicht in uns suchten?

Ein Igel und eine Amsel lieben sich. Sie sitzen auf den Trümmern

einer Hütte und bauen sich eine kleine Laube, die zu wachsen beginnt.


Polmans-Bild-01-Lindbruch

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Einer am Krüchtener Lindbruch


Im hellen Nebel der Schwalm geht einer an Land,

sucht sich ein Plätzchen am Bruch zwischen den Linden,

fragt sich umgeben von Menschen manchmal, wo sie sind,

ihre Worte, ihre Blicke, Wahrheit, Freuden, Tränen, die sehen?

 

Nachts erforscht einer auf dem Rücken eines Otters die Seen

seiner Kindheitsgegend, tagsüber mit seinem treusten Esel aus Draht.

Alte Äste zeigen ihm die Route durch den Grenzwald. Nichts hält er fest,

das sich nicht teilen lässt. Wie sonst lassen sich die lieben Dinge berühren?

 

Nichts trägt Schuld in seiner Welt, auch nicht die Gemeinen, niemand ist da,

der auf der Strecke bleiben würde. Einer versucht die Anderen zu trösten,

die das Flüstern vom Frieden überhörten. Sie sitzen in tintiger Schwärze.

Fürchtet Euch nicht, sagt einer, auch das ist die Farbe der Liebe

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Eisvogel

Eisvögel an der Schwalm

 

Ich will nicht wissen, wie's wär ohne das Blau Eurer Flügel,

ohne das Tschik Eurer Kinder, Euer stetes Reden davon,

was dieser Planet ist, immer schon? So lang wie eine Berührung,

dauert, so lang zeigt Ihr Euch und singt mit dem Eichenstamm.

 

Ihr Königinnen und Könige der Fischer, habt Dank, von Euch

lernte ich mit dem Auge zu sehen, das jene Landschaften wiederfindet,

die uns ins Herz gepflanzt. Von Euch lernte ich Geduld und fliegen

und landen, das heißt, das Kostbarste zu hüten, was uns ins Nest gelegt.

 

Gestern sah ich unsere große Mutter. Klein saß sie auf einem dünnen Ast

über der Schwalm, dem Nebelfluß, in dem ich Abdrücke von Kinderfüßen

entdeckte - Deinen und meinen. Wir blickten uns in unsere Knopfaugen

und bemerkten, die Vertreibung aus dem Paradies war bloß eine Erfindung



Autor: root -- 27.05.2015; 19:34:21 Uhr

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